Barock : Corellis Mandoline

Corellis Mandoline

EUR 9,95


Ein rührendes und sehr interessantes Buch! - Louis de Bernières führt uns in diesem Buch zum Vorabend des schrecklichen Zweiten Weltkrieges. Geschickt baut er die Gedankengänge des Duce ein, über den Wiederaufbau des Römischen Imperiums durch Feldzüge, die aus weltpolitischen Gründen mit einem legitimen Deckmäntelchen behängt werden müssen. Um seine Träume zu verwirklichen, die ganze Mittelmeerregion wieder zu einem neuen Römischen Reich zu vereinen, plante er das Übergreifen auf Jugoslawien und Griechenland. Jugoslawien sah er als leichte Beute an. Es war allgemein bekannt, dass die Jugoslawen einander noch mehr Hassgefühle entgegen brachten, als sie es je gegen Fremde oder Eroberer aufbringen konnten. Aber das stolze Griechenland, das die Marotten und Modeerscheinungen aus unreifen westlichen Kulturen verabscheute, wollte Mussolini trotzen. Es war der Herzenswunsch des Ministerpräsidenten Metaxas von Griechenland, alle Griechen zu vereinen. Er wollte nicht Nordafrika so wie Mussolini und schon gar nicht die ganze Welt wie Hitler. Er träumte von Ruhm und Ehre, die überdauern, wenn das Land verwüstet, zerstört und die schlimme Zeit vorbei ist. Es würde eine zweite Schlacht bei den Thermopylen geben, so wie die dreihundert Spartaner den fünf Millionen Persern standgehalten haben.Im Mittelpunkt des Geschehens ist die kleine friedfertige griechische Insel Kephallonia, voller Erinnerungen an Götter, Heilige und Geschichte, berühmt für ihre Anmut und den Zauber ihres Lichts. Es ist das Licht, das anscheinend weder aus der Luft noch aus der Stratosphäre kommt. Dem Glauben zufolge steht der Gott Apollo mit der Macht des Lichts in Verbindung. Die venezianische Besatzungszeit von 1194 bis 1797 bot die Gewähr, dass die Volksentwicklung hauptsächlich in westlicher statt in östlicher Richtung verlief. Was dazu beigetragen hat, dass die Geschichte kulturell gestaltet war und die Frauen beträchtlich freier waren als sonst wo in Griechenland.Das Zentrum des Buches bildet die ergreifende Liebesgeschichte zwischen der jungen Griechin Pelagia und Antonio, dem Hauptmann der italienischer Besatzung. Es ist eine unschuldige altmodische Liebesbeziehung, die gerade mal Küssen zulässt und dabei Pelagia vergessen lässt, dass sie mit dem Fischer Mandras verlobt ist, der an der Front kämpft und niemand weiss, ob er noch am Leben ist. Luis de Bernières zeichnet mit geschichtlich belegten Tatsachen (vieles basiert auch auf Hörensagen, temperiert durch den Mythos) ein interessantes und realistisches Bild der Vorkriegszeit und während des Krieges. Seine Romanfiguren sind sehr authentisch und realistisch gezeichnet sowie ihre moralischen Werte und Grundsätze.Ein spannender, geschickt aufgebauter und absolut fesselnder Roman, der mit einem eleganten, flüssigen Schreibstil noch lange in Erinnerung bleiben wird.

großer auftakt, enttäuschendes ende - corellis mandoline ist ein großer entwicklungsroman, der das leben der hauptfiguren auf der griechischen insel kephallonia mit viel gefühl schildert. das buch umspannt eine halbe epoche und hat mich sogar zum nachlesen in wikipedia über die verwicklungen griechenlands im 2. weltkrieg als auch über das große erdbeben 1953 nachforschen lassen.... soweit sogut - normalerweise hätte es eine 4 stern bewertung verdient (für mich persönlich um 100 seiten zu lang - aber das ist mein problem..., zu detailgetreu in bezug auf den krieg, und die greuel des krieges, aber eine einfühlsame sprache, ein schuß humor, sehr schön charakterisierte figuren, und ein geflecht an handlungsfäden, dass vom autor großartig zusammengeführt wird) - doch dann kam ich zum letzten viertel und das hat mich einigermaßen enttäuscht: die ereignisse nehmen einen immer schnelleren lauf, als hätte der autor beim schreiben keine freude mehr gehabt (ich hätte es irgendwo enden lassen, wo corelli die flucht gelingt, mit offenem ende über die weiteren schicksale), das ende ist eine glatte enttäuschung, unglaubwürdig nach dem motto irgendwie noch die kurve zu einem versöhnlichen ende gekratzt - schade!ich werde mir noch die verfilmung von corellis mandoline mit n. cage und p. cruz anschauen, darauf bin ich sehr gespannt, denn das thema des buches ist trotz allem großartiger stoff!!

Zu 80% wunderbar - (Achtung: Diese Rezension verraet viele Details ueber die Handlung des Buches. Spoiler Warnung!)Das Buch beginnt wunderbar. Es schildert das Leben des griechischen Dorfarztes Iannis und seiner 17-jaehrigen Tochter Pelagia auf der Insel Kephallonia, kurz vor Beginn des zweiten Weltkrieges. Man lernt die Dorfbewohner kennen und lieben, Pelagia verlobt sich mit dem Fischer Mandras. Der Krieg beginnt, Mandras verlaesst die Insel und dient als Soldat an der Albanischen Grenze. Die Insel wird von der Italienischen Armee besetzt, und Capitano Antonio Corelli nimmt Quartier im Hause des Arztes. Corelli spielt gerne Mandoline, ist freundlich zu den Dorfkindern, schaemt sich fuer das Benehmen der Faschisten, und entspricht so gar nicht dem Bild vom boesen Feind. Es entwickelt sich eine leise Liebesgeschichte zwischen Corelli und der Arzttochter Pelagia. Das Buch schildert die Kriegsjahre aus der Sicht des Dorfes. Nach dem Sturz Mussolinis uebernehmen die Deutschen die Macht auf der Insel, und wueten fuerchterlich. Italiener und Griechen werden reihenweise ermordet. Corelli ueberlebt (durch Zufall! und was fuer einen Zufall!), und entkommt nach Italien. Pelagia wartet auf ihn.Das sind die ersten 80% des Buches. Dann reisst der Spannungsbogen poetzlich ab. Die Handlung wird nur noch skizzenhaft hingeworfen, und fasst die folgenden 45 Jahre zusammen. Der Author scheint die Lust am Schreiben verloren zu haben. Die letzten Seiten klingen an die Liebe in den Zeiten der Cholera von Garcia Marquez an.Zu 80% ein wunderbares Buch, zu 20% eine Enttaeuschung!Einige kleine Fehler. Erstens: Der Author vermischt und verwechselt die Widerstandsbewegungen ELAS und EDES (die EDES kaempft im Buch heldenhaft gegen die Besatzer, waehrend die ELAS-Leute nur faul herumliegen). Die Historiker sehen das genau umgekehrt. Die ELAS war auch mehr als zehnmal so gross wie die (ziemlich unbedeutende) EDES. Zweitens: Der Author fuehrt einen guten Nazi ein. Um ihm menschliche Zuege zu verleihen, macht er ihn zu einem Pastorensohn aus den Tiroler Bergen. Die Tiroler Bergdoefer sind durch und durch katholisch (und zwar von der schwaerzesten Seite). Es ist unvorstellbar, dass es da in den 30er Jahren irgendwo einen evangelischen Pastor gegeben haben soll.

Im Krieg gibt es keine Gewinner - Auf Kephallonia, einer griechischen Insel, lebt der Arzt Iannis mit seiner Tochter Pelagia, die mit dem Fischer Madras verlobt ist. Während der Belagerung der Insel durch die Italiener in Zweiten Weltkrieg wird Hauptmann Corelli, ein Musiker, bei Iannis einquartiert. Zwischen Pelagia und Corelli entspinnt sich eine Liebesgeschichte.Das Buch einseitig auf die Liebesgeschichte zu reduzieren wird ihm nicht gerecht. Sie ist eines, wenn auch das eindringlichste, der Beispiele für die Absurdität und vollkommene Sinnlosigkeit des Krieges. Keine Sache ist gerecht, wenn Ideologie Menschen gegen Menschen treibt und Brutalität und Tod zur Folge hat. Heroisches Verhalten gibt es allenfalls in persönlichen Beziehungen, aber nicht im militärischen Kampf.In eine schnelle Abfolge von Anspannung und Entspannung gliedert sich die erste Hälfte des Buches. Kurz sind die Kapitel, in denen abwechselnd Kriegsereignisse und das bis dahin noch beschauliche Leben auf Kephallonia beschrieben werden, wobei die Passagen, in denen der Italiener Carlo Guercio von Frontkämpfen erzählt, zu den bewegensten Kriegsschilderungen gehören, die ich kenne. Ein Aufatmen, wenn der Blick wieder zu Pelagia und Iannis schwenkt.Zweierlei bleibt hervorzuheben: Die großartige Fähigkeit des Autors, jeder Figur bis hin zu den Nebenpersonen ein individuelles einzigartiges Gesicht zu geben, wobei seine Phantasie, was Schrullen und Eigentümlichkeiten betrifft, grenzenlos zu sein scheint. Und der Humor, vor allem die Situationskomik, die so gegensätzlich und dennoch ergänzend zu den Kriegsgreueln steht.Geraffter ist das Tempo des letzten Drittels, Pelagias weiterem Leben. Nur noch kurz, orientiert an punktuellen Ereignissen, skizziert der Autor die Zeit nach dem Krieg, das große Erdbeben und den Wiederaufbau. Leider wird der Schluss dem Buch nicht gerecht: Der Autor bricht mitten in der Szene ab, als hätte er beschlossen, nun genug geschrieben zu haben. Schade. Dennoch bleibt der Roman für mich ein 5-Sterne-Buch.

Zwischen Menschlichkeit und Barbarei - Das Buch habe ich mir gekauft nach dem ich den Film mit Nicolas Cage und Penelope Cruz in den Hauptrollen gesehen habe. Der Inhalt gleicht dem Film bis auf wenige Teile fast völlig. Es ist eine Geschichte über Liebe und Leid,Menschlichkeit und Barbarei, Hoffnung und Depression. Der Autor vermag so detailiert und bildreich zu schreiben, das der Leser eine Vision von Kephallonia der kleinen griechischen Insel und ihren Bewohnern bekommt. Als italienischer Besatzer während des 2. Weltkrieges kommt Capitano Antonio Corelli auf die Insel und entdeckt dass es außer seiner Mandoline und seinen Kameraden aus dem Bariton noch die wunderschöne und stolze Arzttochter Pelagia gibt und verliebt sich unsterblich in sie. Mit Charme und Herzlichkeit gelingt es ihm, der das Leben eher als Spiel betrachtet, die schöne Griechin zu erobern. Doch ist diese zarte Liebe zwischen Griechin und italienischen Besatzer alles andere als zulässig. Es bleibt jedoch keine Zeit sie auszukosten, der Krieg hat nun auch die kleine Insel erreicht und Antonio muss sich mit seinen Männer im Kampf stellen. Er wird verwundet und von Pelagia und ihrem Vater dem Arzt gesund gepflegt. Später kann er auf ein Boot nach Sizilien flüchten gelobt wiederzukommen und Pelagia zu heiraten. Das ergreifende an dieser an sich recht einfachen Geschichte sind u.a. die Aufzeichnungen von Carlo Guercio, der homosexuell und leidenschaftlich seinen Vorgesetzten Corelli liebt und ihn später das Leben rettet, als alle Italienier von Deutschen erschossen werden.Zuvor hat Carlo rührende Aufzeichnungen für Antonio hinterlassen, der nach seinem Tod für ihn weiterleben soll. Die Briefe Carlos an Antonio halte ich für die ergreifensten Stellen im gesamten Buch. Ich konnte die Tränen dabei kaum zurückhalten.Aber auch die Beschreibung Antonios als lebensfroher, moralischer Sänger und Ehrenmann, blieb mir erst mal lange Zeit im Kopf.Insgesamt betrachtet ist das Buch eines der schönsten, rührensten und aussagefähigsten Bücher die ich kenn. Ein Meisterwerk und ein Lesegenuß für jeden, der zwischen Barbarei und Menschlichkeit zu unterscheiden weiß




Corellis Mandoline