
Ein postmoderner Roman par exellence - Dieses Buch ist nichts für dumme Leser! Das waren die Worte des Literaturpapstes Marcel Reich-Ranicki zu diesem Roman. Er hat nicht unrecht damit, denn Cathleen Schine kann den Leser schon tief beeindrucken, mit ihren zahllosen Zitaten aus vor allem philosophischen oder lyrischen Werken der Weltliteratur. Die meisten bekommt der wohl doch nicht sooo belesene Leser wahrscheinlich gar nicht mit, aber glücklicherweise weist sie hier und da unauffällig darauf hin, so daß man in Ehrfurcht erstarren kann. Trotzdem kommt das Buch nie snobby daher, sondern macht sich im Gegenteil darüber lustig. So ist es Ironie des Schicksals (bzw. der Autorin), daß die in der New Yorker Intellekuellenszene wegen ihres letzten Buches gerade sehr hofierte Hauptfigur des Romans unter derart starker Vergesslichkeit leidet, daß sie sich überhaupt nicht mehr an das von ihr geschriebene erinnern kann und sich geradezu wie eine Hochstaplerin fühlt, wenn sie darauf angesprochen wird. Rameaus Nichte (in Anspielung auf Rameaus Neffe von Diderot) sind zwei Romane in einem. Einmal, das als Einführung in die Philosophie getarnte, pornographische Werk aus dem 18. Jahrhundert, das die Hauptfigur gerade übersetzt, und zum zweiten, ihre eigene Geschichte, die durch den Einfluß dieses Buches einige sehr amüsante Irrungen und Wirrungen durchlebt. Das ganze ist aufgeteilt in drei Teile, der erste und letzte sind fantastisch, nur der mittlere ist leider nicht so gut geraten, daher vier Sterne. Wer jedoch Spaß an geistiger Stimulation hat, wird sicherlich auf seine Kosten kommen. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)